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Wirtschaftlichkeit Oktober 2026 6 Min. Lesezeit

Peak Shaving: Ab wann lohnt sich ein Gewerbespeicher?

Ein Speicher, der Lastspitzen kappt, kann die Netzkosten eines Betriebs deutlich senken. Ob sich das rechnet, hängt weniger von der Batterie ab als vom Lastprofil und von ein paar Zahlen auf der Netzentgeltabrechnung.

Von Frank Flaubing

Wie Peak Shaving funktioniert

Betriebe mit registrierender Leistungsmessung zahlen neben dem Arbeitspreis einen Leistungspreis. Er richtet sich nach der höchsten Viertelstunde des Jahres. Läuft im Februar für 15 Minuten alles gleichzeitig an, bestimmt dieser Moment die Leistungskosten für zwölf Monate.

Ein Batteriespeicher erkennt solche Momente und speist in genau diesen Viertelstunden ein. Der Bezug aus dem Netz bleibt unter einer festgelegten Grenze, und der Leistungspreis sinkt entsprechend.

Welche Lastprofile sich eignen

Ob Peak Shaving sich lohnt, zeigt der 15-Minuten-Lastgang. Drei Kennzahlen geben eine erste Antwort:

Höhe des LeistungspreisesEr unterscheidet sich je nach Netzbetreiber und Spannungsebene stark. Je höher er ist, desto mehr bringt jedes gekappte Kilowatt.
Form der SpitzenKurze, steile Spitzen lassen sich mit wenig Energie kappen. Breite Lastplateaus brauchen viel Kapazität.
HäufigkeitTreten die Spitzen an wenigen Tagen auf, reicht ein kleiner Speicher. Täglich wiederkehrende Spitzen brauchen mehr Reserve.

Gut geeignet sind Betriebe mit vielen Anlaufvorgängen, Schichtwechseln oder Prozessen wie Pressen, Schmelzöfen oder Ladeinfrastruktur für Fahrzeugflotten. Wenig bringt Peak Shaving bei sehr gleichmäßiger Last ohne ausgeprägte Spitzen.

Leistung und Kapazität richtig dimensionieren

Die häufigste Fehlauslegung ist ein Speicher mit zu viel Kapazität. Für Peak Shaving ist die Leistung in Kilowatt entscheidend, also wie stark der Speicher in der Spitze einspeisen kann. Die Kapazität in Kilowattstunden muss nur so groß sein, dass sie die längste relevante Spitze plus Reserve abdeckt.

Die richtige Kappungsgrenze findet man durch Simulation. Mit jedem zusätzlichen Kilowatt Kappung wird die nötige Speicherenergie überproportional größer. Irgendwo kippt das Verhältnis von Einsparung zu Investition, und genau dort liegt die wirtschaftliche Auslegung.

Die Fallstricke

  • Eine verpasste Spitze kostet das ganze Jahr. Ist der Speicher im falschen Moment leer, setzt diese Viertelstunde die neue Jahreshöchstlast. Die Betriebsstrategie braucht deshalb Prognosen und Reserven.
  • Alterung und Wirkungsgrad. Die nutzbare Kapazität sinkt über die Jahre. Die Auslegung muss das Ende der Lebensdauer berücksichtigen, nicht den Neuzustand.
  • Wachstum des Betriebs. Neue Maschinen, Wärmepumpen oder Ladepunkte verändern das Lastprofil. Ein Speicher für heute kann in drei Jahren zu klein sein.
  • Regulatorische Änderungen. Mit der geplanten Netzentgeltreform AgNes soll für größere Verbraucher ab 2029 ein Kapazitätsmodell gelten. Das verändert die Logik von Peak Shaving, macht es aber nicht überflüssig.

Mehr Nutzen durch mehrere Aufgaben

Ein Speicher, der nur an wenigen Tagen im Jahr Spitzen kappt, steht die meiste Zeit still. Wirtschaftlich interessant wird er oft erst, wenn er zusätzlich PV-Überschüsse speichert, günstigen Strom bei dynamischen Tarifen nutzt oder als Notstromreserve dient. Diese Anwendungen müssen in der Betriebsstrategie sauber priorisiert werden, damit die Spitzenkappung nicht leidet.

Weiterlesen: AgNes: Was die Netzentgeltreform für Gewerbe, Industrie und Batteriespeicher bedeutet